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Die Reise beginnt

Wir stehen in unserer leeren Wohnung und können es nicht so wirklich realisieren.
Ein Jahr Vorbereitung und jetzt kann es endlich losgehen.

Die vergangen Wochen waren anstrengend, kräftezerrend, schlaflos. Zwischendurch fragen wir uns: „ Tun wir wirklich das Richtige“? Wie so oft geben uns Einflüsse von Außen einen Grund zum grübeln. Freunde, Bekannte, Verwandte und mittlerweile auch Fremde hinterfragen unseren Schritt. Doch umso öfter wir darüber nachdenken, oder darauf angesprochen werden, umso bestätigter fühlen wir uns.

Keiner kann uns umstimmen. Warum auch? Wir stehen zu 100% hinter unserer Entscheidung, wir wollen das vorgeschriebene System gegen Freiheit tauschen.

Die Wohnungstür fällt ins Schloss, damit lassen wir unser altes Leben hinter uns.
Wir steigen ins Wohnmobil und ein Gefühl der Erleichterung macht sich breit. Die lange Anspannung hat ein Ende. Alles was wir brauchen befindet sich in unserem 8qm Wohnraum.

Jeder hat seinen festen Sitzplatz und alles liegt an seinem Ort.
Wir starten den Motor, die Reise beginnt.

Was in den letzten beiden Wochen, vor dem Start unserer Europareise passiert ist.

Kisten über Kisten stapeln sich in unserem ehemaligen Schlafzimmer. Wir haben das Gefühl, dass es immer mehr Dinge, anstatt weniger werden. 5 Mal waren wir auf dem Flohmarkt, unzählige Paket haben wir verschickt, Kleidung gespendet Gegenstände verschenkt. Dennoch ist immer noch ein viel zu großer Rest übrig. Wohin mit all dem Zeug?

Mitte Juli stehen wir im Einwohnermeldeamt und teilen dem Mitarbeiter mit, dass wir unseren Wohnsitz in Deutschland Anfang August aufgeben und keinen festen Wohnsitz mehr haben werden. Dieser sieht uns erstmal ratlos an. Schließlich möchte er wissen, wo wir denn wohnen werden? Nach einer kurzen Erklärung beharrt er dennoch auf eine Folgeadresse. Da wir keine haben, googeln wir nach einem x beliebigen Campingplatz in Frankreich und tragen die Adresse ein. Für den Mitarbeiter ist das nun so in Ordnung und wir bekommen unseren Aufkleber auf unseren Personalausweis, mit dem Vermerk: Keine Wohnung in Deutschland.

Wir versenden unsere Abmeldebestätigung an Behörden, Versicherungen und Mobilfunkanbieter. Somit sind alle über unsere Abreise informiert und keiner kann uns im Nachhinein etwas in Rechnung stellen.

Auf der Bank lösen wir unsere Girokonten auf. Schon weit im Voraus haben wir uns über ein internationales Bankkonto Gedanken gemacht und dieses eröffnet. Lediglich die Sparkonten der Kinder bleiben bestehen.

Vier Tage bevor wir starten hat Moritz seinen letzten Arbeitstag. Es gibt eine kleine Feier mit Burger vom Grill. So langen hat er diesen Tag herbei gesehnt, doch als es soweit ist, sind die Gefühle gespalten. 3 Jahre hat er als Projekt Manager bei einer Werbeagentur gearbeitet und auch viele schöne Momente erlebt.

Sophie verbringt in der letzten Woche sehr viel Zeit mit ihren Freunden. Ihr fällt der Abschied nicht leicht. Sie freut sich auf die bevorstehende Reise, doch kann sie sich nicht vorstellen, so lange von ihnen getrennt zu sein. Sie packt all ihre Spielsachen in einen großen Karton ein, den sie bei ihren Großeltern einlagern möchte. Gleichzeitig füllt sie eine kleinere Kiste, die sie mit ins Wohnmobil nimmt. Doch immer wieder werden die Sachen ausgepackt und umgepackt.

Kurz vor Start muss unser Wohnmobil nochmals zur Reparatur. Eine Kleinigkeit, doch irgendwie hat keine Werkstatt Zeit. Sollten wir die Reparatur nicht durchführen, kann es gut sein, dass wir nach den ersten Kilometern liegen bleiben.

Nach langem telefonieren und am Rande der Verzweiflung konnte uns ein Autohaus dann doch noch einen Termin geben. Die Reparatur dauert 2 Tage. Unser neues zu Hause erhalten wir 3 Tage vor Start zurück und kann endlich eingerichtet werden.

Die Wohnungsübergabe steht vor der Tür.

Wir kleben die letzten Kartons zu und verschenken noch übrige Dinge in der Nachbarschaft. Der Keller und die Garage sind geräumt, die Wohnung zur Übergabe bereit. Wir nehmen die Schlüssel von unserem Schlüsselbund. Wir spüren, wie leicht dieser ist. Eine Last fällt uns von den Schultern, ein Gefühl von Freiheit breitet sich aus.
Wir haben es geschafft.

Der Abschied von unserer Heimat war kurz und schmerzlos. Es gab eine Abschiedsparty aber keine Tränen ( vielleicht ein paar verdrückte Tränen :-)) Es soll kein Abschied für immer werden, schließlich sind wir nicht aus der Welt und wir werden uns sicherlich irgendwo treffen und Zeit miteinander verbringen. Wir werden unsere Lieben in unserer alten Heimat vermissen, aber dank der modernen Kommunikation können wir ständig Kontakt halten.

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